Mittwoch, 16. März 2016

Kleine Ausschnitte 2016 // innen und außen.


1. Gänsehaut auf den Armen. Vom Fahrtwind, diesem Lied und der Aussicht. Plötzlich ist alles ganz weich und leicht und pastellfarben. An den Waldrändern liegt noch Schnee, aber du kannst den Frühling schon riechen.
Genau das; das hat gefehlt.


2. Die Notrufsäule mit dem aufgemalten Herz. Du, in deinem graugrünen Regenparka, an den Ellenbogen ganz verschlissen. Die ersten Krokusse leuchten grell im blassen Nieselregen.

3.
Sie trägt immer einen lila Hut aus Samt und die dazu passende Hose. Ihr Hund ist ganz klein und dick und freundlich. Manchmal wird sie von einem Freund begleitet. Wenn sie alleine ist, sitzt sie auf der Bank am See und tippt in ihr altes Nokia Handy.

4.
Darf ich hier bleiben? Kann ich hier einfach sitzen und warten?

5. Sich in ihr wiederzuerkennen, ist so schön und so viel und so unbeschreiblich, dass der Kloß in meinem Hals ganz groß wird und meine Hände ein wenig zittern.

6. Ein bisschen Ruhe und einen neuen Lieblingsplatz finden. Die Müdigkeit einfach zulassen und sich anlehnen. Weil man das darf. Wirklich, versprochen. Es glauben, auch wenn man erst wieder üben muss, sich selbst zu vertrauen.
Und auf dem Rückweg gedankenversunken die Musik anmachen und die Bob Dylan CD erwischen.


7. Als die beiden nach Hause kommen, stehe ich gerade am Fenster, ich beobachte sie kurz und fühle alles gleichzeitig und mein Herz läuft fast über und vielleicht weiß ich in diesem Moment zum ersten Mal wieder, was Zuhause sein bedeutet.

Dienstag, 19. Januar 2016

Bild 3, Ausschnitte // irgendwann 2014



Wie verloren ich damals durch die Straßen dieser Stadt gelaufen bin. Bei jedem Wetter, jeder Uhrzeit. Laufen und laufen und rauchen. Immer weiter laufen. Nur nicht stehen bleiben, nur nicht weinen. Niemandem zu tief in die Augen schauen.

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Der rosa Himmel, dieses Lied, immer wieder. Später dann die Lichter und ein Gefühl, das da schon lange nicht mehr war.
 
Damals im Zug waren es andere Lichter. So wie alles anders war, in dieser Zeit, an diesem Tag. Weil da kein Platz war für Lichter und Menschen und ausgebeulte Herzen. Weil da nichts war, außer meinem Flüstern. Ein, aus, ein.. Eins, zwei und wieder atmen, schlucken, atmen.
Und jetzt ist heute und ich singe, lauthals und lachend. Der Mann im Auto neben mir lächelt mir zu.


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Es gibt kein Ankommen, hat K. gestern gesagt. Diese Sehnsucht, eine Illusion. Der Weg ist unser Leben, immer.
  

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Es war einer dieser Momente, für die es kein Wort, nur ein Geräusch gibt.

Samstag, 16. Januar 2016

Bild 2, irgendwann 2011

"Das hat sich gerade nach Abschied angefühlt", das denke ich, als ich nur noch deine Jacke ganz oben auf der Treppe erkenne. Als würde ich nicht in die S-Bahn, sondern in einen Fernzug steigen. Als würde ich nicht bloß ein paar Stunden, sondern Wochen oder sogar Monate fort sein.

Wie wir da stehen, der leuchtende Abendhimmel über uns. Nicht sicher, wann und wo wir uns wiedersehen werden. Blicke, die alles sagen sollen. Berührungen, die alles versprechen. Die leisen Zweifel nur kurz sichtbar, weil du die Füße so seltsam drehst. Weil ich einmal zu oft die eine Haarsträhne hinter mein linkes Ohr streiche. 

Ein viel zu warmer Tag für Ende Oktober.
Ich hoffe, dass es diese Abschiede für uns nicht mehr geben wird.


Freitag, 15. Januar 2016

Bild 1, irgendwann 2008

Sie sitzt in der Mitte des Zimmers auf dem kleinen roten Sessel, den wir damals auf dem Flohmarkt gefunden haben. Die ganze Wohnung ist leer und groß und es hallt. Sie sitzt da und wartet, scheinbar. In Gedanken versunken, nicht ganz da, fast fort. Vielleicht hört sie auch zu. All den Geschichten, den Erinnerungen, die zwischen den alten schrägen Dielen und der Stuckdecke hängen.



Dienstag, 8. Dezember 2015

"Alles, was geschieht, sind Wörter"*

 
Mir fehlen die Worte und dann finde ich sie wieder, manchmal. Ganz platt gesessen unter dem großen Sofakissen, in der Ritze vom Bett und zwischen dem großen Bücherstapel. Sie springen mich an, wenn ich die alte Kommode öffne. Eins lag mal in der Gefriertruhe und war schon ganz blau. Ein anderes auf dem Boden meines Kaffeebechers, ertrunken. In meiner Schreibtischschublade wohnen ein paar. Aber immer wenn ich ein bestimmtes suche, kann ich es nicht finden. 
Was ist ein Schreiber, der seine Worte verloren hat? Ein Sätzesammler ohne Satz?


*Samuel Beckett

Sonntag, 29. November 2015

Momentaufnahme.



Die Häuser verschwinden in milchig weißem Nebel. Ich schaue in den Hinterhof und trinke in kleinen Schlucken den viel zu heißen Kaffee. Mein Blut rauscht in den Ohren. 
Wir haben keine Zeit, das alles zu begreifen, so schnell vergehen diese Tage. Tage, an denen so vieles geschieht. So viel gutes, schwer zu glauben. 
Darf das jetzt endlich so sein? Ich übe mich im annehmen und stolz sein, wenigstens ein bisschen.
Und plötzlich ist der erste Sonntag im Advent und meine eigene Schnapszahl nur noch ein paar Tage entfernt. Wie fühlt sich das an? 

Noch einmal in den letzten Jahren blättern, Dinge unterstreichen und manche einfach nicht lesen. 
Wie viel Glück da (auch) war. Und ist. 
Und das größte liegt gerade auf meinem Schoß und schläft.

Dienstag, 29. September 2015

Löwenliebe.


große Augen
eine winzige Brust
  - der kleine Vogel in unserem Haus
unsichtbare Flügel flattern
so schnell, dass sie meinen Herz -
schlag ins stolpern bringen

Dienstag, 22. September 2015

Nur zwei scheue Lichter.


Wir sind gerade erst losgegelaufen. Wir wandern von Moment zu Augenblick zu Nacht und Tag. Nur nach Bedürfnis und Liebe und einer vagen Vorstellung. Im Halbschlaf dämmern und fliegen wir durch Wochen und Landschaften und Träume. Am Schlafzimmerfenster rasen Bäume vorbei, wir sammeln die ersten Kastanien. Jeden Morgen sehen wir sonnenbefleckte Wände. Du schenkst mir das Buch, deine Geduld und den alten Schal. Als ich auf dem großen Bett liege, bin ich mir ganz sicher, von einem schwarzblauen Meer umgeben zu sein.

Freitag, 4. September 2015

28.07.2015

11:55 Uhr
Da sitze ich und bewege mich nicht. Seit etwa einer halben Stunde starre ich nach draußen. Es ist stürmisch und die Bäume tanzen. Der Wind heult.

Radio hören, mehr geht nicht. Ich könnte es mir gemütlich machen. Ich könnte noch ein bisschen arbeiten. Ich könnte schreiben. Ich könnte noch ein paar Dinge vorbereiten und erledigen. Ich könnte Kuchen backen.
Aber ich kann nicht. Es geht nicht. Seltsamer Zwischenzustand. Das Warten füllt mich ganz aus, fordert meine ganze Konzentration. Noch nie habe ich so aktiv gewartet. Mein kleiner Finger wartet, mein Bauch, meine Oberlippe. Alles ist gespannt. 

Es ist schwer in Worte zu fassen, was in mir vorgeht. Alles. Und Nichts. Gefühle von gestern, Erinnerungen, Trauer. Vorstellungen von morgen, Träume, Vorfreude.

Hier sitzen wir jetzt also, wir hören Nachrichten aus Berlin und sind ganz ruhig, ganz wild innen drin und wir warten auf dich!


Donnerstag, 2. Juli 2015

fußabdrücke im heißen asphalt

es ist heiß, die luft steht
wir bewegen uns langsam 
in der vor hitze flirrenden stadt
wir zählen tage und plötzlich sind sie da, diese sommerwochen, die so weit entfernt schienen
eiswürfel im glas, die hand auf dem bauch


für das, was ich beschreiben will, fehlen mir die worte
also schweige ich

das, was ich fühle, kann ich noch nicht greifen
also bin ich still
so viele gefühle und worte und du und ich und diese zukunft


die tage werden ruhiger, die atemzüge länger
kleine vorsichtige schritte und abendsonne vorm fenster
wir kommen an

ein bisschen