Mittwoch, 8. April 2015

københavn.

wir erwachen bei vogelgezwitscher an einem anderen ort.
sonnenstreifen, lichtpunkte, ein stück grün hinter flatterndem weiß.
alles fühlt sich an wie erinnerung.
als wären wir schon einmal hier gewesen. ein nachhall von leichtigkeit und freiheit. 


die tage sind langsam und ruhig, die zeit nur durch möwengeschrei in stunden geteilt. sehnsuchtsorte.



und dann das meer und wir und unsere angst und unser glück; und alles auf einmal.




Mittwoch, 18. März 2015

11.03.2015

die sonne scheint mir ins gesicht und der kaffee ist so heiß, dass ich mir zweimal die zunge verbrenne. ich bin angespannt, aufgeregt, voll bis unter den scheitel; ich schaue in die gesichter der menschen, sehe mein spiegelbild in den scheiben des ICEs richtung stuttgart. bin ich das? eine frau mit pony und koffer und kaffee, auf einem bahngleis in frankfurt, wartend. 
ein paar mal bilde ich mir ein, ihr gesicht zu erkennen, aber erst fünf minuten später schält sie sich tatsächlich aus der menge, wird wahrhaftig und läuft auf mich zu.
der zug ist voll, literatur liegt in der luft. gespräche über bücher, lesende reisende.

vor dem fenster eine frühlingslandschaft. ein kind, das sich hinter einem auto versteckt. drei häuser, die absolut identisch aussehen, hintereinander die straße hinauf. bäume, wiesen, wolken. zwischendurch siem, joni, wilbert, die bilder aus dieser grausamen, mitreißenden geschichte
es ist hell, fast grell und sonnenflecken tanzen durch das abteil, über meine buchseiten. 

dieses leben betrachten, das so weit entfernt ist und das sich trotzdem so gut anfühlt. ganz echt und nah.





Mittwoch, 18. Februar 2015

alles eingetunkt in ein weißliches grau.

und jetzt stehst du wieder da
an dieser kreuzung
in dieser riesigen stadt
wie eine, die nichts von einem ende wissen will

(nichts von einem anfang)
eine, die trotzt und beißt
und die wolken sind heute fast schneller
als die autos
als deine gedanken
rot-orange-grüne pfützen
und regentropfen, die wellenbilder zeichnen
nasse schuhe, die sich fremd anfühlen
und jetzt stehst du da wieder
mit deinen haaren im gesicht
und deinen fäusten in den taschen
da stehst du

wie eine, die nicht gehen kann


Sonntag, 28. Dezember 2014

2014.

ach 2014, du warst ein seltsames jahr...

januar:
löcher im boden und vorfreude und schnee. sich winterschlaf wünschen und ganz viel musik hören. mal so und so und immer den umständen entsprechend. das neue schon in sichtweise. nur noch die kurze ruhe vor dem großen sturm.

"das herz tut weh, weil es nicht weiß, was es fühlen soll.
ein anfang ist ein ende ist ein anfang. sie tragen nur unterschiedliche namen. aber ich habe ja schon immer daran geglaubt, dass alles so sein wird, wie es sein soll. wie aufregend dieses leben ist."




februar:

nicht richtig da sein, und irgendwie dann doch. herzscheiße wird 5 und der abschied rückt immer näher.
und dann ist er da, der längste tag. richtung ungewissheit, mit großen erwartungen.

"also warte ich, ein paar tage noch. dann geht es weiter. dann geht es los."



märz:
neue aussichten und gewohnheiten. tagebuch eines langsamen abschieds. auch am neuen ort. tage in zeitlupe und große erschöpfung. jedes geräusch ist unbekannt. die dunklen ecken sind fremd, man weiß noch nicht, welche stelle des bodens knarrt und wo genau der lichtschalter ist. nachts wacht man auf und weiß nicht, in welchem zimmer man liegt, in welcher wohnung, in welcher stadt. man läuft noch gegen kanten und stößt sich an der holzleiter, die es vorher nicht gab. blaue flecken und kratzer. innen und außen.

"wir fahren der sonne entgegen und fühlen uns ganz taub. auch wenn wir die augen zusammenkneifen und die hände zu fäusten ballen, ganz fest drücken, da ist nichts. keine freude, keine trauer. eine leere angespanntheit. man könnte uns jetzt in die herzen kneifen und wir würden es nicht spüren."





april:
rückblicke, notizen und gedankenstriche. gewitterwolken wechseln sich mit frühlingstagen ab. in den himmel gucken, immer wieder. dabei ganz viel spaceman spiff hören.

"und es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen. als ich hier saß und die gleichen dinge gedacht habe.
mein brot fällt fast in meinen kaffee.
mein kopf hinterher."



mai:
es regnet in strömen. und manchmal kommt das dicke ende am anfang. alle zuversicht wird weggespült.
dann der erste besuch in der (alten) heimat. so schöne tage, die nicht aufhören sollen. die selbstverständlichkeit mit der ich mich durch die stadt bewege. ich kenne jede ecke, jede stufe, jedes gefühl. heimat. noch immer. mit geschlossenen augen und den gedanken woanders, finde ich den weg.
das alles hat gefehlt. die menschen, die besten. der geruch nach sommer, das aufblühen der stadt und genau diese abende.

"wir sind gekommen, um zu bleiben. sind wir das? die ewig getriebenen. immer auf der suche. immer auf dem sprung. der kopf voller pläne, der bauch voller zweifel.
und immer geht es um dieses leben und wie es gelebt werden soll."




juni:
eis essen und durch den sommer laufen.
kurz pause machen, durchatmen.

"einen kurzen moment raus. nur ein, zwei tage.
das grün und die luft und dazu sommergewitter. die sicherheit und die stille.
stundenlang kochen und reden und liegen und schweigen und denken und ausruhen.
dann kann man wieder zurück."



juli:
heimweh haben. geburtstage feiern mit den liebsten. im sommerregen sitzen und große pläne schmieden. wir sind nicht da, wir sind noch unterwegs.
welche automatismen halten uns zusammen?
welche bringen uns durch den alltag?

"wo wir jetzt sind; wir würden wohl darüber lachen und uns wundern. wir dachten nie, dass es so sein würde. konnten uns nicht vorstellen, dass sie jemals enden würde. diese zeit, die in jedem moment die beste war. und schlimmste. denn das geht ja nur gemeinsam."



august:
so viel blau und lila und rosa. dazu grün und luft und weite. picknick mit rotwein und sehnsucht. und wieder eine zugfahrt, die andere stadt, ein anderes leben. ich laufe durch die straßen, die mir so vertraut sind und freue mich über jede kleinigkeit. und an der ecke, an der ich schon tausende mal stand, wird mein herz auf einmal ganz schwer.

"die musik ist laut, der kopf voll.
loslassen, weg, raus.
alles ist anders; und alles fühlt sich gleich an. 
wir schaffen das. leben leben."




september:
meerweh und herbst und ein besuch in der vergangenheit. endlich wieder die herzheimat sehen und nie, nie aufhören an anker zu glauben.

"das hat mir kraft gegeben und sicherheit.
egal, was kommt. egal, was bleibt.
und deswegen lasse ich mich einfach fallen, ins leben, mitten hinein."





oktober:
die große reise nach istanbul. wir laufen durch diese riesige stadt, wabernd und vibrierend.
das jahr ist fast vorbei und die tage sind zum bersten gefüllt. keine zeit für zwischenmomente und gedanken. noch einmal die letzten kräfte mobilisieren und dazu AnnenMayKantereit hören.

"fast 25 grad im oktober. fast sommer im herbst.
fast ein anfang, fast ein ende."






november:
nur der wind und vereinzelte schritte. durchhalten.
so wenig geschrieben wie nie. es fehlt. schmerzlich.

"der rosa himmel, dieses lied, immer wieder, später dann die lichter und ein gefühl, das da schon lange nicht mehr war.
damals im zug waren es andere lichter. so wie alles anders war, in diesem moment. weil da kein platz war für lichter und menschen und ausgebeulte herzen. weil da nichts war außer leisem zählen. ein, aus, ein.. eins, zwei und wieder atmen, schlucken, atmen."






dezember:
und noch ein monat im nebel. ein leben hinter milchglas. arbeit und arbeit und dann die lang ersehnte pause. und wieder entscheidungen treffen. wir sind fast am ziel.

"küchenabende, die eigentlich nachmittage sind. es ist dunkel und gemütlich und schon ist der dezember fast vorbei. ein jahr der veränderungen. wieder."

auf einmal schneit es. wie verrückt. schneewehen und verkehrschaos.
ich wache auf, die sonne scheint und es ist ganz still. eine weiße winterlandschaft vorm fenster. als würde hier alles neu anfangen.






zum schluss bleibt nur noch eins zu sagen: schön, dass ihr da seid und danke fürs lesen. ich wünsche euch einen zauberschönen start ins neue jahr!



Sonntag, 21. Dezember 2014

about today.

es regnet und stürmt, der wind heult durchs treppenhaus. laut prasselt es gegen die scheiben und die ganze welt ist verschwommen.
ich spüre die gleichen sätze im bauch und die sehnsucht in den fingern. wieder einer dieser jahrestage. 

küchenabende, die eigentlich nachmittage sind. es ist dunkel und gemütlich und schon ist der dezember fast vorbei. ein jahr der veränderungen. wieder.




angetrieben von den fangesängen, die vom stadion bis zu den feldern geweht werden, laufe ich immer schneller. unter meiner wollmütze sammelt sich schweiß und meine beine sind schwer von zwei tagen in der wohnung.

immer weiter, an den wiesen vorbei, an den hühnern, den gänsen und an der bank, auf der wir so gerne sitzen. langsam verschwindet die verletzlichkeit der nacht.

in der ferne leise trommeln. im kopf wörter, ideen, wendungen. da sind träume und hunderte geschichten, die ich dir noch erzählen will.

Sonntag, 19. Oktober 2014

almost.




aus dem wohnzimmer dringen chopin-fetzen zu mir herüber. 

ich sitze in meinem lieblingssessel und zähle die sonnenflecken auf meinem arm.

der stift tanzt über das weiße papier, wird schneller, im takt der musik, dreht pirouetten, schwebt. punkt. atempause.

fast 25 grad im oktober. fast sommer im herbst.
fast ein anfang, fast ein ende.

Freitag, 26. September 2014

meerweh.

und plötzlich ist herbst.
ich habe den september schon immer gemocht. die luft, die anders riecht als in den wochen zuvor. die klarheit und das schöne licht.


auf dem dachboden liegen und durch das kleine dachfenster in den himmel gucken. selbst die wolken haben es heute eilig.

das seltsame gefühl breitet sich im ganzen körper aus.
ein zustand, den es gar nicht gibt. wann hat das angefangen? 
etwas fühlt sich falsch an, irgendwie verkehrt herum. als müsste man alles mal wild durcheinander rütteln, die einzelnen teile auf dem boden ausbreiten und dann nach und nach neu zusammenbauen, ganz langsam, ganz exakt. 
vielleicht wäre es dann wieder richtig, vielleicht würde dann endlich diese kleine ecke einrasten, die seit monaten klemmt und immer ein wenig übersteht.

ich will an diesen ort, den es nicht gibt.

rückblickend werden wir vielleicht sagen, dass genau das -diese zeit- unsere wanderjahre waren.



"not all those who wander are lost." j. r. r. tolkien

Mittwoch, 3. September 2014

"I still believe in anchors"*


seltsam, wie die zeit fliegt.
tage vergehen wie im rausch, im traum.
so viele momente.
und immer dieses gefühl im bauch.
und immer diese fragen.

dinge ausgesprochen, so klar und deutlich wie noch nie. 

ganz laut; ohne den hauch eines zweifels in der stimme.
 

und wieder ziehen landschaften rechts und links an mir vorbei und ich bin ganz leicht. 
innen drin. 
das hat mir kraft gegeben und sicherheit.
egal, was kommt. egal, was bleibt.
und deswegen lasse ich mich einfach fallen, ins leben, mitten hinein.


*Listener - Wooden Heart