Mittwoch, 17. Oktober 2012

als könnte man das.


sie liefen die kleine straße entlang. die, mit den vielen bäumen. 
rot gelb. 
in den fenstern spiegelten sich blätter und häuser und sie liefen durch beide straßen. 
in seinen augen spiegelte sich nichts. nicht mehr. 
auf einer kleinen kiste aus holz, die in einem hauseingang stand, klebte ein zettel "zum mitnehmen". viele alte bücher, ein paar gläser und ein kleiner teddy. sie verspürte kurz den reflex seinen haustürschlüssel dazu zulegen, sein handy und sein portemonnaie. 
als könnte man das. ein leben einfach abgeben. 

sie setzen sich auf eine bank in die sonne. er legte seinen arm um sie. sie erschrak, so ungewohnt war diese geste inzwischen geworden. "vielleicht sollten wir einfach weggehen." er nahm ihre hand, küsste sie. 
"vielleicht ist dann alles einfacher." 
sie liebte den herbst und hob ein dunkelrotes blatt auf. 
als könnte man das. einfach weitermachen wie zuvor. 

er wollte ihr so vieles sagen, aber ihm fehlten die worte. oder vielmehr die kraft um sie auszusprechen. er war so dankbar, dass sie bei ihm war. in diesen zeiten. er schaute sie an. wie sehr er sie liebte. er wüsste nicht, was er ohne sie täte. bei dem gedanken musste er schlucken. 
seine augen brannten und er wünschte sich, es wäre wegen des kalten herbstwindes. 
als könnte man das. als würde man diese dinge alleine schaffen. 

sie nahmen sich an den händen und standen auf. sie liefen und liefen und liebten sich so sehr. sie würden nachher nach hause gehen, sie würden füreinander da sein und jeden tag aufs neue aufstehen und rausgehen und berge besteigen. 
sie würden nicht aufgeben. sie würden so sehr an das gute glauben, dass nichts anderes mehr übrig bliebe. 

als könnte man das.

Kommentare:

edda solvej hat gesagt…

liebes kleinesmädchen,
dein text ist melancholisch und traurig und anrührend, nicht kryptisch wie viele andere texte dieser site...kurzum ich habe ihn gern gelesen und danke dir!

anregung zum letzten absatz in verbindung mit "der moral von der geschicht": zeigt nicht unser leben, dass alles offen ist und bleibt? dass "man immer wieder kann" und immer wieder macht? trotz melancholie und rückschlägen etc.? denn jedem (neu)anfang wohnt doch zauber inne?! der letzte satz nimmt dem leser alle hoffnung. aber der text zeigt eigentlich ambivalenz, die mit diesem letzten satz zerstört wird. ist das beabsichtigt? alles finster, keine unsicherheit, nichts wird gut. aber vielleicht ja doch? wer weiß das schon? wie das leben spielt?! wie wäre es mit einer frage zum abschluss des textes? fragen sind ihrem wesen nach ja auch ambivalent, offen! " könnte man das? kann man das? kannst du das?"
...das berühmte ringen mit den worten um den sinn ;-) lg edda

kleinesmädchengroßestadt hat gesagt…

liebe edda,

vielen dank für deinen kommentar.
der bruch am ende des textes ist beabsichtigt, drückt aber nicht meine meinung oder sichtweise aus. dieser text ist, wie viele auf meiner seite, eine geschichte, die mir eingefallen ist. ich erzähle sie einfach. manchmal sind sie negativ und melancholisch, manchmal positiv und hoffnungsfroh. und ich gebe dir absolut recht, wer weiß schon, wie alles ausgeht.. persönlich glaube ich, dass alles wieder gut werden kann. ich war dabei. ich habs gesehen. :) http://kassettenrekorder.blogspot.de/2011/07/wir-halten-uns-wacker-in-einer.html

liebe grüße,
alicia