Manchmal schaue ich mir beim Erwachsensein zu und frage mich, wo das Mädchen ist, dass vor 13 Jahren mit gebrochenem Herzen in Berlin angekommen ist. Mindestens zwei ganze Leben passen dazwischen. Was alles passiert ist. Bis oben angefüllt. Bis zu den tiefsten Tiefen. So viel Trauer und Schmerz und Liebe und Leben und Glück. Neuanfänge, Abschiede und ich immer mittendrin. Das Herz in der Hand. Das mit den Löchern und Flicken, das trotzdem immer noch größer geworden ist. Das größte Glück. Bedingungslos. Und heute? Mit den besten Freunden in allen Himmelsrichtungen. Mit mindestens vier Orten, die Zuhause sind. Langsam kommen die Worte wieder. Mit der Musik, der Entschleunigung. Schon immer waren die Zwischenzeiten die besten. Ausnahmezustände einfacher annehmbar. Leben ohne funktionieren zu müssen. Vielleicht musste ich deswegen heute an dich denken. Bestimmt sogar.
Dienstag, 19. Mai 2020
Und auf unserem Tisch stehen Wiesenblumen.
Manchmal schaue ich mir beim Erwachsensein zu und frage mich, wo das Mädchen ist, dass vor 13 Jahren mit gebrochenem Herzen in Berlin angekommen ist. Mindestens zwei ganze Leben passen dazwischen. Was alles passiert ist. Bis oben angefüllt. Bis zu den tiefsten Tiefen. So viel Trauer und Schmerz und Liebe und Leben und Glück. Neuanfänge, Abschiede und ich immer mittendrin. Das Herz in der Hand. Das mit den Löchern und Flicken, das trotzdem immer noch größer geworden ist. Das größte Glück. Bedingungslos. Und heute? Mit den besten Freunden in allen Himmelsrichtungen. Mit mindestens vier Orten, die Zuhause sind. Langsam kommen die Worte wieder. Mit der Musik, der Entschleunigung. Schon immer waren die Zwischenzeiten die besten. Ausnahmezustände einfacher annehmbar. Leben ohne funktionieren zu müssen. Vielleicht musste ich deswegen heute an dich denken. Bestimmt sogar.
Mittwoch, 20. September 2017
Kleine Prosa.
Ich war damals so verloren und so stark. Das Herz in der Hand, die Trauer auf der Zunge. Daran haben wir uns immer erkannt. Herzscheiße. Die Lederjacke unseres Vereins.
Und das erste Mal kann ich das wieder fühlen, denken, schreiben. Ein wenig davon ist immer da. In diesen SommerHerbstTagen, in diesen Zwischenzeiten.
Damals und heute und alles ist anders und alles ist gleich.
Eine andere Stadt, ein anderes Leben. Aber noch immer die kleinen Dinge. Immer. Immer wieder. Und Hoffnung und Trotz und der Versuch, dieses Leben zu leben. Genau so. Und nicht anders.
Nie.
Zeit für einen neuen Anfang, einen neuen Zugang.
Kleine Prosa. Kleine Geschichten und Gedanken und Eindrücke.
Alles anders und alles so wie immer.
Freitag, 29. Juli 2016
Weiter.
Ich wache auf. Es ist mitten in der Nacht. Ganz sicher.
Ist es die Stille, die irgendwie dichter scheint? Die Dunkelheit, die alles durchdringt?
Vereinzelte Stimmen vor unserem Fenster. Einsame Straßenträumer und Nachtschwärmer auf ihrem Weg nach Hause.
Das warme Kind in meinen Armen, der Mann schläft.
Das Sommergewitter hallt nach. Es riecht nach Regen und Asphalt.
Vier Wochen noch und ein paar Tage. Dazwischen Zeit und Meer und wir.
Ist es die Stille, die irgendwie dichter scheint? Die Dunkelheit, die alles durchdringt?
Vereinzelte Stimmen vor unserem Fenster. Einsame Straßenträumer und Nachtschwärmer auf ihrem Weg nach Hause.
Das warme Kind in meinen Armen, der Mann schläft.
Das Sommergewitter hallt nach. Es riecht nach Regen und Asphalt.
Vier Wochen noch und ein paar Tage. Dazwischen Zeit und Meer und wir.
Dienstag, 28. Juni 2016
Bild 5, Ausschnitte // Juni 2016
Ein Unwohlsein, das irgendwo zwischen Bauch und Kopf hängt. Es sitzt fest, kommt nicht weiter. Bleibt.
Rechts von mir die perfekte Sommerwiese. Bunt und wild und hoch. So stelle ich mir immer die Wiesen in Kirchblüt vor.
Der Mann auf dem Fahrrad mit den altmodischen Kniestrümpfen. Beobachtungen, Gespräche, die nachhallen. Nur das Geräusch der Kinderwagenräder auf Kies und meine Schritte. Stille und ein einsamer Vogel. Durch den Nieselregen laufen und (trotz allem) eine Zuversicht spüren, die da schon lange nicht war. Vielleicht noch nie.
Montag, 27. Juni 2016
Bild 4, Ausschnitte // Mai 2016
Dieses alte Haus. Geschichten in jeder Ecke. Die knarzende Treppe, der Weinberg vorm Fenster und dieses Familiengefühl, das ich mir immer so vorgestellt habe.
Barfuß über die schönen alten Kacheln in die riesige Wohnküche, zusammensitzen, lachen, hier sein.
Es ist erst kurz nach 8 Uhr und wir haben schon gefrühstückt. Das alte kleine Dorf will erkundet werden. Am Fluß entlang, die Sonne im Rücken. Die Müdigkeit immer dabei, wie ein treuer Gefährte.
"Hier könnte ich gut schreiben" denken und eine Rückkehr planen.
Dienstag, 19. Januar 2016
Bild 3, Ausschnitte // irgendwann 2014
Wie verloren ich damals durch die Straßen dieser Stadt gelaufen bin. Bei jedem Wetter, jeder Uhrzeit. Laufen und laufen und rauchen. Immer weiter laufen. Nur nicht stehen bleiben, nur nicht weinen. Niemandem zu tief in die Augen schauen.
//
Es gibt kein Ankommen, hat K. gestern gesagt. Diese Sehnsucht, eine Illusion. Der Weg ist unser Leben, immer.
//
Es war einer dieser Momente, für die es kein Wort, nur ein Geräusch gibt.
Samstag, 16. Januar 2016
Bild 2, irgendwann 2011
"Das hat sich gerade nach Abschied angefühlt", das denke ich, als ich nur noch deine Jacke ganz oben auf der Treppe erkenne. Als würde ich nicht in die S-Bahn, sondern in einen Fernzug steigen. Als
würde ich nicht bloß ein paar Stunden, sondern Wochen oder sogar Monate
fort sein.
Wie wir da stehen, der leuchtende Abendhimmel über uns. Nicht sicher, wann und wo wir uns wiedersehen werden. Blicke, die alles sagen sollen. Berührungen, die alles versprechen. Die leisen Zweifel nur kurz sichtbar, weil du die Füße so seltsam drehst. Weil ich einmal zu oft die eine Haarsträhne hinter mein linkes Ohr streiche.
Ein viel zu warmer Tag für Ende Oktober.
Ich hoffe, dass es diese Abschiede für uns nicht mehr geben wird.
Wie wir da stehen, der leuchtende Abendhimmel über uns. Nicht sicher, wann und wo wir uns wiedersehen werden. Blicke, die alles sagen sollen. Berührungen, die alles versprechen. Die leisen Zweifel nur kurz sichtbar, weil du die Füße so seltsam drehst. Weil ich einmal zu oft die eine Haarsträhne hinter mein linkes Ohr streiche.
Ein viel zu warmer Tag für Ende Oktober.
Ich hoffe, dass es diese Abschiede für uns nicht mehr geben wird.
Freitag, 15. Januar 2016
Bild 1, irgendwann 2008
Sie sitzt in der Mitte des Zimmers auf dem kleinen roten Sessel, den wir
damals auf dem Flohmarkt gefunden haben. Die ganze Wohnung ist leer und
groß und es hallt. Sie sitzt da und wartet, scheinbar. In Gedanken
versunken, nicht ganz da, fast fort. Vielleicht hört sie auch zu. All den
Geschichten, den Erinnerungen, die zwischen den alten schrägen Dielen
und der Stuckdecke hängen.
Dienstag, 29. September 2015
Freitag, 4. September 2015
28.07.2015
11:55 Uhr
Da sitze ich und bewege mich nicht. Seit etwa einer halben Stunde starre ich nach draußen. Es ist stürmisch und die Bäume tanzen. Der Wind heult.
Radio hören, mehr geht nicht. Ich könnte es mir gemütlich machen. Ich könnte noch ein bisschen arbeiten. Ich könnte schreiben. Ich könnte noch ein paar Dinge vorbereiten und erledigen. Ich könnte Kuchen backen.
Aber ich kann nicht. Es geht nicht. Seltsamer Zwischenzustand. Das Warten füllt mich ganz aus, fordert meine ganze Konzentration. Noch nie habe ich so aktiv gewartet. Mein kleiner Finger wartet, mein Bauch, meine Oberlippe. Alles ist gespannt.
Es ist schwer in Worte zu fassen, was in mir vorgeht. Alles. Und Nichts. Gefühle von gestern, Erinnerungen, Trauer. Vorstellungen von morgen, Träume, Vorfreude.
Hier sitzen wir jetzt also, wir hören Nachrichten aus Berlin und sind ganz ruhig, ganz wild innen drin und wir warten auf dich!
Da sitze ich und bewege mich nicht. Seit etwa einer halben Stunde starre ich nach draußen. Es ist stürmisch und die Bäume tanzen. Der Wind heult.
Radio hören, mehr geht nicht. Ich könnte es mir gemütlich machen. Ich könnte noch ein bisschen arbeiten. Ich könnte schreiben. Ich könnte noch ein paar Dinge vorbereiten und erledigen. Ich könnte Kuchen backen.
Aber ich kann nicht. Es geht nicht. Seltsamer Zwischenzustand. Das Warten füllt mich ganz aus, fordert meine ganze Konzentration. Noch nie habe ich so aktiv gewartet. Mein kleiner Finger wartet, mein Bauch, meine Oberlippe. Alles ist gespannt.
Es ist schwer in Worte zu fassen, was in mir vorgeht. Alles. Und Nichts. Gefühle von gestern, Erinnerungen, Trauer. Vorstellungen von morgen, Träume, Vorfreude.
Hier sitzen wir jetzt also, wir hören Nachrichten aus Berlin und sind ganz ruhig, ganz wild innen drin und wir warten auf dich!
Donnerstag, 2. Juli 2015
fußabdrücke im heißen asphalt
es ist heiß, die luft steht
wir bewegen uns langsam
in der vor hitze flirrenden stadt
wir zählen tage und plötzlich sind sie da, diese sommerwochen, die so weit entfernt schienen
eiswürfel im glas, die hand auf dem bauch
für das, was ich beschreiben will, fehlen mir die worte
also schweige ich
das, was ich fühle, kann ich noch nicht greifen
also bin ich still
so viele gefühle und worte und du und ich und diese zukunft
die tage werden ruhiger, die atemzüge länger
kleine vorsichtige schritte und abendsonne vorm fenster
wir kommen an
ein bisschen
wir bewegen uns langsam
in der vor hitze flirrenden stadt
wir zählen tage und plötzlich sind sie da, diese sommerwochen, die so weit entfernt schienen
eiswürfel im glas, die hand auf dem bauch
für das, was ich beschreiben will, fehlen mir die worte
also schweige ich
das, was ich fühle, kann ich noch nicht greifen
also bin ich still
so viele gefühle und worte und du und ich und diese zukunft
die tage werden ruhiger, die atemzüge länger
kleine vorsichtige schritte und abendsonne vorm fenster
wir kommen an
ein bisschen
Montag, 1. Juni 2015
Lesebühne Mi., 3. Juni, 19:30 Uhr
Es wird gelesen. Endlich wieder...
"Zwei Teilnehmer der Darmstädter Textwerkstatt lesen Lyrik und Prosa: Alicia Metz und Inge Hofmann.
Alicia Metz ist eine der Autorinnen, die am deutsch-türkischen Übersetzungsprojekt mitgewirkt und Gedichte von Gonca Özmen aus Istanbul übersetzt hat. Sie liest Prosaminiaturen und neue Gedichte. Prosa und Lyrik stellt auch Inge Hofmann vor, die literarische Räume erobert, in denen das Sprachlose zur Sprache gebracht wird – denn auch das Schweigen ist ein Text.
Die Lesebühne ist eine Veranstaltungsreihe der Darmstädter Textwerkstatt und stellt am jeweils ersten Mittwoch im Monat ab 19.30 Uhr im Literaturhaus, Kasinostraße 3, zwei Autoren mit ihren Arbeiten vor. Die Veranstaltung hat Werkstattcharakter und bietet neben der Präsentation den Diskurs."
Moderation: Martina Weber
Eintritt frei
Mehr Infomationen auf der Literaturhaus-Homepage.
"Zwei Teilnehmer der Darmstädter Textwerkstatt lesen Lyrik und Prosa: Alicia Metz und Inge Hofmann.
Alicia Metz ist eine der Autorinnen, die am deutsch-türkischen Übersetzungsprojekt mitgewirkt und Gedichte von Gonca Özmen aus Istanbul übersetzt hat. Sie liest Prosaminiaturen und neue Gedichte. Prosa und Lyrik stellt auch Inge Hofmann vor, die literarische Räume erobert, in denen das Sprachlose zur Sprache gebracht wird – denn auch das Schweigen ist ein Text.
Die Lesebühne ist eine Veranstaltungsreihe der Darmstädter Textwerkstatt und stellt am jeweils ersten Mittwoch im Monat ab 19.30 Uhr im Literaturhaus, Kasinostraße 3, zwei Autoren mit ihren Arbeiten vor. Die Veranstaltung hat Werkstattcharakter und bietet neben der Präsentation den Diskurs."
Moderation: Martina Weber
Eintritt frei
Mehr Infomationen auf der Literaturhaus-Homepage.
Donnerstag, 30. April 2015
transition.
ich kann mich noch ganz genau an diesen tag erinnern. daran, wie es gerochen hat, an den wechsel der jahreszeiten und an den warmen wind auf meiner haut. dieses gefühl im bauch. die stadt war ganz ruhig und ich bin einfach immer weiter gelaufen. vorbei an leeren balkonen, am tiergehege und über die brücke. ein blick zurück. die ersten sandalentage, fastschonsommergeruch. die freiheit so groß, der blick so weit.
wie sehr du fehlst.
wir haben es nicht besser gewusst, den langen rückweg nicht bedacht.
ein teil von uns ist noch dort, ein stück hier und den rest haben wir verloren, irgendwo dazwischen.
wie sehr du fehlst.
wir haben es nicht besser gewusst, den langen rückweg nicht bedacht.
ein teil von uns ist noch dort, ein stück hier und den rest haben wir verloren, irgendwo dazwischen.
Freitag, 10. April 2015
Mittwoch, 18. März 2015
11.03.2015
die sonne scheint mir ins gesicht und der kaffee ist so heiß, dass ich
mir zweimal die zunge verbrenne. ich bin angespannt, aufgeregt, voll bis
unter den scheitel; ich schaue in die gesichter der menschen, sehe mein spiegelbild
in den scheiben des ICEs richtung stuttgart. bin ich das? eine frau mit pony und koffer und kaffee, auf einem bahngleis in frankfurt, wartend.
ein paar mal bilde ich mir ein, ihr gesicht zu erkennen, aber erst fünf minuten später schält sie sich tatsächlich aus der menge, wird wahrhaftig und läuft auf mich zu.
der zug ist voll, literatur liegt in der luft. gespräche über bücher, lesende reisende.
vor dem fenster eine frühlingslandschaft. ein kind, das sich hinter einem auto versteckt. drei häuser, die absolut identisch aussehen, hintereinander die straße hinauf. bäume, wiesen, wolken. zwischendurch siem, joni, wilbert, die bilder aus dieser grausamen, mitreißenden geschichte.
es ist hell, fast grell und sonnenflecken tanzen durch das abteil, über meine buchseiten.
dieses leben betrachten, das so weit entfernt ist und das sich trotzdem so gut anfühlt. ganz echt und nah.
ein paar mal bilde ich mir ein, ihr gesicht zu erkennen, aber erst fünf minuten später schält sie sich tatsächlich aus der menge, wird wahrhaftig und läuft auf mich zu.
der zug ist voll, literatur liegt in der luft. gespräche über bücher, lesende reisende.
vor dem fenster eine frühlingslandschaft. ein kind, das sich hinter einem auto versteckt. drei häuser, die absolut identisch aussehen, hintereinander die straße hinauf. bäume, wiesen, wolken. zwischendurch siem, joni, wilbert, die bilder aus dieser grausamen, mitreißenden geschichte.
es ist hell, fast grell und sonnenflecken tanzen durch das abteil, über meine buchseiten.
dieses leben betrachten, das so weit entfernt ist und das sich trotzdem so gut anfühlt. ganz echt und nah.
Sonntag, 28. Dezember 2014
2014.
ach 2014, du warst ein seltsames jahr...
januar:
löcher im boden und vorfreude und schnee. sich winterschlaf wünschen und ganz viel musik hören. mal so und so und immer den umständen entsprechend. das neue schon in sichtweise. nur noch die kurze ruhe vor dem großen sturm.
"das herz tut weh, weil es nicht weiß, was es fühlen soll.
ein anfang ist ein ende ist ein anfang. sie tragen nur unterschiedliche namen. aber ich habe ja schon immer daran geglaubt, dass alles so sein wird, wie es sein soll. wie aufregend dieses leben ist."
februar:
nicht richtig da sein, und irgendwie dann doch. herzscheiße wird 5 und der abschied rückt immer näher.
und dann ist er da, der längste tag. richtung ungewissheit, mit großen erwartungen.
"also warte ich, ein paar tage noch. dann geht es weiter. dann geht es los."
januar:
löcher im boden und vorfreude und schnee. sich winterschlaf wünschen und ganz viel musik hören. mal so und so und immer den umständen entsprechend. das neue schon in sichtweise. nur noch die kurze ruhe vor dem großen sturm.
"das herz tut weh, weil es nicht weiß, was es fühlen soll.
ein anfang ist ein ende ist ein anfang. sie tragen nur unterschiedliche namen. aber ich habe ja schon immer daran geglaubt, dass alles so sein wird, wie es sein soll. wie aufregend dieses leben ist."
februar:
nicht richtig da sein, und irgendwie dann doch. herzscheiße wird 5 und der abschied rückt immer näher.
und dann ist er da, der längste tag. richtung ungewissheit, mit großen erwartungen.
"also warte ich, ein paar tage noch. dann geht es weiter. dann geht es los."
märz:
neue aussichten und gewohnheiten. tagebuch eines langsamen abschieds. auch am neuen ort. tage in zeitlupe und große erschöpfung. jedes geräusch ist unbekannt. die dunklen ecken sind fremd, man weiß noch nicht, welche stelle des bodens knarrt und wo genau der lichtschalter ist. nachts wacht man auf und weiß nicht, in welchem zimmer man liegt, in welcher wohnung, in welcher stadt. man läuft noch gegen kanten und stößt sich an der holzleiter, die es vorher nicht gab. blaue flecken und kratzer. innen und außen.
"wir fahren der sonne entgegen und fühlen uns ganz taub. auch wenn wir die augen zusammenkneifen und die hände zu fäusten ballen, ganz fest drücken, da ist nichts. keine freude, keine trauer. eine leere angespanntheit. man könnte uns jetzt in die herzen kneifen und wir würden es nicht spüren."
april:
rückblicke, notizen und gedankenstriche. gewitterwolken wechseln sich mit frühlingstagen ab. in den himmel gucken, immer wieder. dabei ganz viel spaceman spiff hören.
"und es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen. als ich hier saß und die gleichen dinge gedacht habe.
mein brot fällt fast in meinen kaffee.
mein kopf hinterher."
mai:
es regnet in strömen. und manchmal kommt das dicke ende am anfang. alle zuversicht wird weggespült.
dann der erste besuch in der (alten) heimat. so schöne tage, die nicht aufhören sollen. die selbstverständlichkeit mit der ich mich durch die stadt bewege. ich kenne jede ecke, jede stufe, jedes gefühl. heimat. noch immer. mit geschlossenen augen und den gedanken woanders, finde ich den weg.
das alles hat gefehlt. die menschen, die besten. der geruch nach sommer, das aufblühen der stadt und genau diese abende.
"wir sind gekommen, um zu bleiben. sind wir das? die ewig getriebenen. immer auf der suche. immer auf dem sprung. der kopf voller pläne, der bauch voller zweifel.
und immer geht es um dieses leben und wie es gelebt werden soll."
juni:
eis essen und durch den sommer laufen.
kurz pause machen, durchatmen.
"einen kurzen moment raus. nur ein, zwei tage.
das grün und die luft und dazu sommergewitter. die sicherheit und die stille.
stundenlang kochen und reden und liegen und schweigen und denken und ausruhen.
dann kann man wieder zurück."
juli:
heimweh haben. geburtstage feiern mit den liebsten. im sommerregen sitzen und große pläne schmieden. wir sind nicht da, wir sind noch unterwegs.
welche automatismen halten uns zusammen?
welche bringen uns durch den alltag?
"wo wir jetzt sind; wir würden wohl darüber lachen und uns wundern. wir dachten nie, dass es so sein würde. konnten uns nicht vorstellen, dass sie jemals enden würde. diese zeit, die in jedem moment die beste war. und schlimmste. denn das geht ja nur gemeinsam."
august:
so viel blau und lila und rosa. dazu grün und luft und weite. picknick mit rotwein und sehnsucht. und wieder eine zugfahrt, die andere stadt, ein anderes leben. ich laufe durch die straßen, die mir so vertraut sind und freue mich über jede kleinigkeit. und an der ecke, an der ich schon tausende mal stand, wird mein herz auf einmal ganz schwer.
"die musik ist laut, der kopf voll.
loslassen, weg, raus.
alles ist anders; und alles fühlt sich gleich an.
wir schaffen das. leben leben."
september:
meerweh und herbst und ein besuch in der vergangenheit. endlich wieder die herzheimat sehen und nie, nie aufhören an anker zu glauben.
"das hat mir kraft gegeben und sicherheit.
egal, was kommt. egal, was bleibt.
und deswegen lasse ich mich einfach fallen, ins leben, mitten hinein."
oktober:
die große reise nach istanbul. wir laufen durch diese riesige stadt, wabernd und vibrierend.
das jahr ist fast vorbei und die tage sind zum bersten gefüllt. keine zeit für zwischenmomente und gedanken. noch einmal die letzten kräfte mobilisieren und dazu AnnenMayKantereit hören.
"fast 25 grad im oktober. fast sommer im herbst.
fast ein anfang, fast ein ende."
november:
nur der wind und vereinzelte schritte. durchhalten.
so wenig geschrieben wie nie. es fehlt. schmerzlich.
"der rosa himmel, dieses lied, immer wieder, später dann die lichter und ein gefühl, das da schon lange nicht mehr war.
damals im zug waren es andere lichter. so wie alles anders war, in diesem moment. weil da kein platz war für lichter und menschen und ausgebeulte herzen. weil da nichts war außer leisem zählen. ein, aus, ein.. eins, zwei und wieder atmen, schlucken, atmen."
dezember:
und noch ein monat im nebel. ein leben hinter milchglas. arbeit und arbeit und dann die lang ersehnte pause. und wieder entscheidungen treffen. wir sind fast am ziel.
"küchenabende, die eigentlich nachmittage sind. es ist dunkel und gemütlich und schon ist der dezember fast vorbei. ein jahr der veränderungen. wieder."
auf einmal schneit es. wie verrückt. schneewehen und verkehrschaos.
ich wache auf, die sonne scheint und es ist ganz still. eine weiße winterlandschaft vorm fenster. als würde hier alles neu anfangen.
zum schluss bleibt nur noch eins zu sagen: schön, dass ihr da seid und danke fürs lesen. ich wünsche euch einen zauberschönen start ins neue jahr!
Sonntag, 21. Dezember 2014
about today.
es regnet und stürmt, der wind heult durchs treppenhaus. laut prasselt es gegen die scheiben und die ganze welt ist verschwommen.
ich spüre die gleichen sätze im bauch und die sehnsucht in den fingern. wieder einer dieser jahrestage.
küchenabende, die eigentlich nachmittage sind. es ist dunkel und gemütlich und schon ist der dezember fast vorbei. ein jahr der veränderungen. wieder.
angetrieben von den fangesängen, die vom stadion bis zu den feldern geweht werden, laufe ich immer schneller. unter meiner wollmütze sammelt sich schweiß und meine beine sind schwer von zwei tagen in der wohnung.
immer weiter, an den wiesen vorbei, an den hühnern, den gänsen und an der bank, auf der wir so gerne sitzen. langsam verschwindet die verletzlichkeit der nacht.
in der ferne leise trommeln. im kopf wörter, ideen, wendungen. da sind träume und hunderte geschichten, die ich dir noch erzählen will.
ich spüre die gleichen sätze im bauch und die sehnsucht in den fingern. wieder einer dieser jahrestage.
küchenabende, die eigentlich nachmittage sind. es ist dunkel und gemütlich und schon ist der dezember fast vorbei. ein jahr der veränderungen. wieder.
angetrieben von den fangesängen, die vom stadion bis zu den feldern geweht werden, laufe ich immer schneller. unter meiner wollmütze sammelt sich schweiß und meine beine sind schwer von zwei tagen in der wohnung.
immer weiter, an den wiesen vorbei, an den hühnern, den gänsen und an der bank, auf der wir so gerne sitzen. langsam verschwindet die verletzlichkeit der nacht.
in der ferne leise trommeln. im kopf wörter, ideen, wendungen. da sind träume und hunderte geschichten, die ich dir noch erzählen will.
Montag, 8. Dezember 2014
Sonntag, 19. Oktober 2014
almost.
aus dem wohnzimmer dringen chopin-fetzen zu mir herüber.
ich sitze in meinem lieblingssessel und zähle die sonnenflecken auf meinem arm.
der stift tanzt über das weiße papier, wird schneller, im takt der musik, dreht pirouetten, schwebt. punkt. atempause.
fast 25 grad im oktober. fast sommer im herbst.
fast ein anfang, fast ein ende.
Freitag, 26. September 2014
meerweh.
und plötzlich ist herbst.
ich habe den september schon immer gemocht. die luft, die anders riecht als in den wochen zuvor. die klarheit und das schöne licht.
auf dem dachboden liegen und durch das kleine dachfenster in den himmel gucken. selbst die wolken haben es heute eilig.
das seltsame gefühl breitet sich im ganzen körper aus.
ein zustand, den es gar nicht gibt. wann hat das angefangen?
etwas fühlt sich falsch an, irgendwie verkehrt herum. als müsste man alles mal wild durcheinander rütteln, die einzelnen teile auf dem boden ausbreiten und dann nach und nach neu zusammenbauen, ganz langsam, ganz exakt.
vielleicht wäre es dann wieder richtig, vielleicht würde dann endlich diese kleine ecke einrasten, die seit monaten klemmt und immer ein wenig übersteht.
ich will an diesen ort, den es nicht gibt.
rückblickend werden wir vielleicht sagen, dass genau das -diese zeit- unsere wanderjahre waren.
"not all those who wander are lost." j. r. r. tolkien
ich habe den september schon immer gemocht. die luft, die anders riecht als in den wochen zuvor. die klarheit und das schöne licht.
auf dem dachboden liegen und durch das kleine dachfenster in den himmel gucken. selbst die wolken haben es heute eilig.
das seltsame gefühl breitet sich im ganzen körper aus.
ein zustand, den es gar nicht gibt. wann hat das angefangen?
etwas fühlt sich falsch an, irgendwie verkehrt herum. als müsste man alles mal wild durcheinander rütteln, die einzelnen teile auf dem boden ausbreiten und dann nach und nach neu zusammenbauen, ganz langsam, ganz exakt.
vielleicht wäre es dann wieder richtig, vielleicht würde dann endlich diese kleine ecke einrasten, die seit monaten klemmt und immer ein wenig übersteht.
ich will an diesen ort, den es nicht gibt.
rückblickend werden wir vielleicht sagen, dass genau das -diese zeit- unsere wanderjahre waren.
"not all those who wander are lost." j. r. r. tolkien
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